Pressemitteilung

Unsere Kritik an Wolfgang Kubickis antiqueerem Beitrag im Cicero.

29/03/2026

Einige dürften Wolfgang Kubickis jüngsten Beitrag zum Thema Queer mitbekommen haben. In einer Lage, in der der Liberalismus in Deutschland in einer Krise steckt, ist das Eröffnen eines kulturkämpferischen Nebenschauplatzes durch Kubicki nicht nur unverständlich, sondern auch politisch erstaunlich unklug. Gerade weil der Liberalismus derzeit eher um seine eigene Anschlussfähigkeit ringen muss, sollte man einen in weiten Teilen unsinnigen Beitrag wie diesen nicht unwidersprochen stehen lassen.

Das beginnt bereits auf der begrifflichen Ebene. Kubicki behandelt queere Menschen, queeren Aktivismus, Queer Theorie und einzelne prominente Autor:innen so, als handele es sich um ein und dasselbe. Genau diese pauschalisierende Zusammenfassung sehr unterschiedlicher Phänomene zu einem vermeintlich homogenen Block ist aber selbst eine Form kollektivistischen Denkens. Er vereindeutigt damit ein komplexes und widersprüchliches Feld, indem er Differenzen, Ambivalenzen und innere Spannungen einebnet. Vielleicht sollte Kubicki, der selbst mit derart groben begrifflichen Vereinfachungen arbeitet, erst einmal vor der eigenen Tür kehren, bevor er anderen Kollektivismus vorwirft.

Hinzu kommt, dass Queer Theorie zunächst einmal ein Theorieansatz innerhalb der Sozialwissenschaften ist. Ihr Gegenstand ist die Analyse von Geschlecht, Sexualität, Normen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Natürlich kann und sollte man einzelne Annahmen, Auslegungen oder politische Anschlussstellen dieser Theorie kritisieren. Am Ende lebt und entwickelt sich jede Theorie durch Kritik und Diskussion. Zu behaupten, sie sei insgesamt eine freiheitsfeindliche Ideologie, ist jedoch keine Kritik, sondern bloß billiger Antiintellektualismus.

Ebenso unsauber ist es, einzelne prominente Autor:innen mit einem ganzen Theoriegebäude gleichzusetzen. Judith Butler ist nicht die Queer Theorie, sondern nur eine ihrer bekanntesten Stimmen. Selbst problematische, antisemitische oder inakzeptable Aussagen Butlers widerlegen nicht automatisch den gesamten theoretischen Ansatz, der aus weit mehr besteht als den Positionen einer einzelnen Person. Auch hier zeigt sich wieder dieselbe Vereinfachung: Eine komplexe Theorie wird auf eine einzelne Person reduziert, wodurch ihre tatsächliche Breite und innere Differenziertheit aus dem Blick geraten.

Am Ende trägt Kubicki mit seinem Beitrag selbst dazu bei, dass queere Räume stärker von linken und kollektivistischen Akteuren geprägt werden. Anstatt queere Menschen zu verteufeln und zu behaupten, sie hätten nichts mit liberalen Ansichten zu tun, wäre vielmehr das Gegenteil geboten, nämlich in queeren Räumen und Communities präsent zu sein und dort für liberale Positionen zu werben. Der Einsatz für queere Rechte ist dem Liberalismus keineswegs fremd, von John Stuart Mills Verteidigung von Individualität und Selbstbestimmung bis hin zum leider bereits verstorbenen David Boaz vom Cato Institute, der queere Gleichberechtigung ausdrücklich aus einer liberal und libertären Perspektive verteidigte. Liberalismus bedeutet eben auch, sich für das Recht jedes Einzelnen einzusetzen, frei und selbstbestimmt zu leben, auch und gerade im Queeren.